Brief an Pro Natura mit Antwort und Reaktionen: Ihr Engagement für den Parc Adula

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Liebe Pro Natura 

Seit zwei Jahren arbeite ich als Zusenn auf der Alpe di Motterascio und seit ich denken kann, verbringt meine Familie ihre Ferien in Olivone im Bleniotal. Diese beiden Orte liegen mir darum sehr am Herzen. Ich staune und freue mich immer wieder, wie gut es hier bis heute gelungen ist, abseits der grossen Tourismusströme lebendig und unabhängig zu bleiben.

Das Projekt Parc Adula macht vielen Leuten hier im Bleniotal grosse Sorgen, denn es bedroht ihre regionale Wirtschaft. Auf der Website von Graubünden heute habe ich gelesen, dass auch Pro Natura dem Projekt mit ambivalenten Gefühlen gegenübersteht, weil eine freie Naturentwicklung aufgrund der zahlreichen Nutzer (Schafhalter und Berggänger) kaum möglich scheint. Trotzdem wolle Pro Natur das Projekt aber weiterhin unterstützen, heisst es, die Schwächen würden man ausmerzen. Das heisst, auch unsere Alp würde ausgemerzt, wie eine Krankheit, obwohl gerade diese Alp seit Generationen soviel zum Reichtum ihrer Umgebung beiträgt!

Nicht umsonst zeichnet Werner Bätzing, einer der kompetentesten Alpenforscher Europas, in seinem neusten Buch Zwischen Wildnis und Freizeitpark – Eine Streitschrift zur Zukunft der Alpen (2015), ein düsteres Bild. Er sagt: »Wenn sich Naturschützer heute positiv für Wildnis in den Alpen aussprechen, dann nehmen sie dabei in Kauf, dass diese Gebiete für den Tourismus kaum nutzbar sind, dass die Artenvielfalt und die landschaftliche Vielfalt stark zurückgeht (beides war ja eng mit der traditionellen kleinräumigen Nutzung verbunden) und dass die sprunghafte Naturdynamik dabei wieder zunimmt.« Viele Leute in meinem Umfeld, allen voran meine Familie und engsten Freunde, waren von der Arbeit der Pro Natur über viele Jahre überzeugt. Ihr Engagement für den Parc Adula, der über so viele Unstimmigkeiten verfügt und die abstimmenden Gemeinden zutiefst gespalten hat, irritiert und bekümmert uns sehr.

Müssten denn Naturschutz und lokale Bevölkerung nicht am gleichen Strick ziehen? Beide verfolgen sie doch das selbe Ziel, nämlich die kleinräumigen artenreichen Kulturlandschaften zu schützen? Ist sich Pro Natur bewusst, was mit dem Konzept des geplanten Parc Adula bedroht und zerstört wird?

Ich würde mich über eine Antwort von Ihrer Seite sehr freuen.

 

Noëmi Lerch
  

Antwort Pro Natura

Pro Natura Sehr geehrte Frau Lerch

Vielen Dank für Ihren Brief. Wie Ihnen liegt uns die Natur und die Kulturlandschaft der Gemeinden des Parc Adula sehr am Herzen. Die aktuelle Entwicklung macht uns grosse Sorgen. Viele Wiesen und Weiden mit ihrem Blumenreichtum verschwinden, weil die Nutzung intensiviert wird oder in den steilen Gebieten ganz aufgegeben wird. Die wirtschaftliche Situation ist schwierig. Hotels schliessen, Landwirtschaftsbetriebe geben auf. Auf fast jeder Alp fehlt Vieh für die Beweidung. Gerade weil die wirtschaftliche Situation schwierig ist, haben die Gemeinden im Jahr 2000 die Initiative ergriffen und das Projekt eines neuen Nationalparks lanciert. Pro Natura ist überzeugt, dass der Nationalpark Adula der wirtschaftlichen Entwicklung der Region neue Impulse verleiht und der Förderung der Natur und der Kulturlandschaft dient. Deshalb unterstützt Pro Natura die Entstehung eines neuen Nationalparks. Deshalb unterstützt Pro Natura auch aktiv Projekte zu Gunsten der Kulturlandschaft in der künftigen Umgebungszone des Nationalparks. Zum Beispiel das Projekt auf der Alpe di Pru oder die Förderung der Kastanienselven in Soazza. Die Umgebungszone macht fast 90 Prozent des künftigen Nationalparks aus. Mit seinem Naturtourismus und einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten wirtschaftlichen Entwicklung bietet der Nationalpark eine echte Chance zu den von Werner Bätzing skizzierten düsteren Alpenbild: Entvölkerung der Dörfer oder ausufernder Freizeitrummel mit Verkehrschaos und Pseudoromantik. 

Sie sorgen sich, weil die von Ihnen bewirtschaftete Alp in der künftigen Kernzone liegt. Wie Sie aus der Parkcharta wissen, kann diese Alp auch nach Gründung des Nationalparks weiter betrieben werden.

Ihre Pro Natura, Urs Tester, Abteilungsleiter Biotope und Arten

 

Antwort auf Pro Natura von Georges Stoffel 

Also da kann man nur sagen, da kommt Pro Natura als Wolf im Schafpelz daher. Sie meint es ja nur gut und will darum den Park. Pro Natura typisch benutzt sie eine Taktik der Halbwahrheiten, wenn sie schreibt,…"Gerade weil die wirtschaftliche Situation schwierig ist, haben die Gemeinden im Jahr 2000 die Initiative ergriffen und das Projekt eines neuen Nationalparks lanciert.“

So sieht es vordergründig aus, als ob die Gemeinden am Ursprung dieser Idee sind. 

Das ist ganz und gar nicht so. 

An den Ursprüngen und Strategien für Parke steht die IUCN und ihre Mitbegründerin Pro Natura, WWF und andere! Da geht es nicht um die Interessen der Einheimischen, sondern um die Interessen des REWILDING 

(des wieder Wildnis schaffen). Und dazu gehört die Strategie der Wiederansiedlung der Grossraubtiere, welche in verschiedenen Länder zum Verschwinden von Blumenwiesen und Weiden führt und zur Aufgabe von landwirtschaftlichen Betrieben. Der Nationalpark der Cevennen und andere Alpenregionen in Frankreich sind momentan davon betroffen, weil die Wölfe den angestammten Pastoralismus und die Alpwirtschaft immer mehr verunmöglichen. Wenn man bedenkt, dass in der Kernzone 27% Alpen sind und in der Umgebungszone Berglandwirtschaft mit Alpwirtschaft vorherrscht (zusammen 20 000 ha Alpweiden), dann sind Herrn Testers Aussagen sehr zu relativieren.

Ebenso wenn Herr Tester schreibt, dass Frau Lerch sich nicht sorgen müsse , dass sie wie es in der Charta stehe, die Alp auch nach der Gründung des Nationalparks weiter betreiben könne.Er verschweigt wissentlich, dass darin aber auch steht, dass die 27% Alpweiden der Kernzone auf 15% reduziert werden sollen. Wieder so eine gezielte Pro Natura Halbwahrheit. Gerade der Park könnte zu einer Entvölkerung der Bauerndörfer führen, weil die Alpwirtschaft immer schwieriger wird. Und wohl kaum umgekehrt.

 

Kommentar von Bruno Schuler

Denkt daran wenn Pro Natura mal da ist, haben die Eigentümer nichts mehr zu sagen. Ich bin selber Landeigentümer in der Umgebungszone vom Hochmoor Rothenthurm. Da kommen Leute aus der Stadt mit Schulabschluss aber von Land und Umgang mit den Einheimischen keine AHNUNG Haben. HÜTET EUCH VOR SOLCHEN LEUTEN.

Die Verordnung wurde uns damals Plausibel dargelegt, das ist nur Umgebungszone. Das Böse erwachen kam erst Später.Heute dürfen wir uns nur noch ärgern mit den Ranger in Uniform.